as Verhältnis von Literatur und Philosophie ist von großer Relevanz für philosophiedidaktische Bildungsprozesse und erfährt in jüngster Zeit eine verstärkte Aufmerksamkeit. Besonders geeignet für die Behandlung von Literatur im Philosophieunterricht scheint die antike Mythologie zu sein und deren Transformation im Laufe der westlichen Kulturgeschichte. 

Das gilt vor allem für den Mythos von Prometheus, der sich in seiner zweitausendjährigen Geschichte als außerordentlich flexibel erwiesen hat und der viele, sehr unterschiedliche und oft widersprüchliche Interpretationen erfahren hat. Als Feuerbringer und Lehrmeister symbolisiert Prometheus den Anfang der menschlichen Zivilisation, aber auch das Urbild des Rebellen, der die Befreiung von Unwissenheit und religiös fundierter Unterdrückung einleitet. In der Moderne steht er als Symbolfigur für den wissenschaftlichen und technischen Fortschritt und die zunehmende Herrschaft des Menschen über die Natur.

Im Seminar werden einerseits die ursprünglichen griechischen Quellen des Mythos (Hesiod, Aischylos, Platon) analysiert, andererseits werden die verschiedenen literarischen Transformationen und philosophischen Interpretationen diskutiert (u. a. Goethe, Percy Bysshe Shelley, Mary Shelley, André Gide, Giacomo Leopardi, Francis Bacon, Friedrich Nietzsche, Gunther Anders). Das Seminar hat das Ziel, am Beispiel des Prometheus Mythos die Beziehung zwischen Philosophie und Literatur für den Unterricht fruchtbar zu machen und dabei an die Themenfelder des Kerncurriculums anzuknüpfen.

Literatur:

Die Primärtexte werden alle in elektronischer Form zur Verfügung gestellt (Moodle).

 

Eine nützliche Textsammlung ist: 

Wolfgang Storch, Burghard Damerau (Hrsg.): Mythos Prometheus. Texte von Hesiod bis René Char. Reclam, Leipzig 1995.

Sekundärliteratur: 

Philipp Theisohn: Prometheus. In: Maria Moog-Grünewald (Hrsg.): Mythenrezeption. Die antike Mythologie in Literatur, Musik und Kunst von den Anfängen bis zur Gegenwart. Metzler, Stuttgart/Weimar 2008.

Raymond Trousson: Prometheus. In: Pierre Brunel (Hrsg.): Companion to Literary Myths, Heroes and Archetypes. Routledge, London/New York 1992.

Hans Blumenberg: Arbeit am Mythos, 5. Auflage, Frankfurt 1990, S. 327f.