Märchen werden heutzutage oft als Teil der Kinder- und Jugendliteratur (KJL) betrachtet. Diese Zuordnung wirkt sich beträchtlich auf deren Übersetzungen aus, denn die Wiedergabe der KJL in anderen Sprachen unterliegt spezifischen Bedingungen, die sie von der sog. Erwachsenenliteratur unterscheiden. Als Ausgangspunkt für das geplante Seminar ist die gegenwärtige Märchenforschung (die Spezifik der Gattung „Märchen“) anzusehen, die von Erkenntnissen der KJL-Forschung ergänzt werden muss, denn auch die KJL-Forschung beschäftigt sich intensiv mit Märchen und deren immer häufigeren Einbettung in Superproduktionen, die auf den globalen Markt angelegt sind. Die Verbindung von der Gattung „Märchen“, der KJL und deren Übersetzung/Rezeption wird heutzutage am intensivsten im Rahmen von Children’s Literature Translation Studies erforscht, die den theoretischen Schwerpunkt des geplanten Seminars bilden.

 

Als Mitgründerin der deutsch-polnischen „Forschungsgruppe zur Übersetzung und Rezeption von Kinder- und Jugendliteratur“ der Universität Poznan (Polen) möchte im Rahmen des geplanten Seminars außer der theoretischen Einführung auch folgende Schwerpunkte anbieten: Neuübersetzungen von klassischen Märchen, Übersetzungsreihen, kulturelle Aspekte der Kanonbildung, Märchen als Medium der Fremdheitserfahrung, Rezeptionsbarrieren, Übersetzungsstrategien, Tabu-Themen in der Märchenübersetzung.