Das Kolloquium soll Studierenden die Möglichkeit geben, eigene Abschlussarbeiten vorzustellen und/ oder einen Einblick in Prozesse des wissenschaftlichen Arbeitens zu gewinnen (u.a. anhand der Diskussion von Texten). Es ist offen für Bachelor, Master und Promovierende, vorausgesetzt wird das Interesse am wissenschaftlichen Arbeiten, dem diskursiven Austausch sowie der Reflexion von Forschungsarbeiten hinsichtlich ihrer stadt- und regionalsoziologischen Relevanz.

Nicht einmal 15 Jahre liegen Anfang des 20. Jahrhunderts zwischen deutschem Kaiserreich und Nationalsozialismus. Die von zwei Weltkriegen eingerahmte Zeitspanne, in der erstmals eine Republik in Deutschland erprobt wird, ist gesellschaftlich hoch aufgeladen und von politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Umbrüchen und Spannungen gekennzeichnet. Diese Tendenzen verdichten sich nirgends stärker als in den rapide wachsenden Städten: Die Großstadt wird zu einer zentralen Zeit- und Raumerfahrung, die sämtlichen kulturellen Erscheinungen ihren Stempel aufdrückt: vom Zeitungswesen über Radio und Film bis hin zu Planung, Architektur und Alltagsleben. Rückblickend gerne als „Goldene 20er-Jahre“ verklärt oder nostalgisch-frivol als „Tanz auf dem Vulkan“ gefeiert, bringt diese Zeit eine große Zahl an Innovationen hervor, die bis heute die Konzeption des modernen Lebens wie selbstverständlich prägen.

In dem Seminar soll der Zeitgeist dieser Epoche mit Fokus auf die Hauptstadt der Weimarer Republik ergründet, indem verschiedene sozio-kulturelle Felder betrachtet werden. Neben Neuerungen des Alltagslebens wie der Emanzipation der Frauen und der Entstehung einer Unterhaltungskultur für breite Bevölkerungsschichten werden Blicke in die Literatur, den Film und die bildende Kunst geworfen, um Entwicklungen in der Stadtplanung und Architektur vertiefend einzuordnen. Geplant sind im Rahmen des Seminars, neben der Lektüre von Texten und dem Vortrag eines Externen, selbständige Rechercheaufträge sowie eine zweitägige Exkursion nach Berlin.

 

Literatur

Keller, Carsten 2018: Wiederentdeckung urbaner Kultur: Die moderne Großstadt der 1920er Jahre als Modell? In: Wehrheim, Jan/ Gestring, Norbert (Hg.): Urbanität im 21. Jahrhundert. Frankfurt/ New York: Campus. 64–80

Lindner, Rolf 2016: Berlin, absolute Stadt. Berlin: Kadmos

Metzger, Rainer 2017: Berlin in den 1920er-Jahren. Köln: Taschen


Empirische Daten der Sozialforschung sind ein zentraler Bestandteil von Planungsprozessen, die die Bedürfnisse der Menschen tangieren. Hierbei gelten insbesondere statistische Daten als einerseits besonders überzeugend, andererseits aber auch als besonders trügerisch. Um statistische Daten beurteilen zu können erfordert es ein grundlegendes Verständnis ihrer Verarbeitung.

Lernziel ist es die Datenstruktur von städtischen und wissenschaftlichen Datensätzen zu verstehen, sowie grundlegende statistische Analysemethoden mit dem Statistikprogramm SPSS durchführen zu können.

Das Blockseminar wird stattfinden, sobald das Kontaktverbot infolge der Covid-SARS-2 Pandemie aufgehoben ist und ansonsten vorlesungsfreie Zeit ist.

Ziel ist es, in grundlegende Methoden der qualitativen und quantitativen Sozialforschung einzuführen und diese bezüglich raumbezogener Forschungsfragen anzuwenden. Erworben werden soll die Fähigkeit, eine wissenschaftliche Fragestellung zu entwickeln und eigenständig in einem geeigneten empirischen Forschungsdesign umzusetzen. Im Besonderen sollen folgende Inhalte vermittelt werden:

  • Grundbegriffe empirischer Sozialforschung sowie der Stadt- und Regionalforschung
  • Konzeption eines Forschungsprozesses: Entwicklung einer Fragestellung, Methodenwahl, Umsetzung und Auswertung
  • Qualitative und quantitative Erhebungsmethoden: Qualitatives Interview, Fokusgruppen, (nicht-)teilnehmende Beobachtung, standardisierte Befragung
  • Verfahren der (softwaregestützten) qualitativen und quantitativen Datenanalyse
  • Nutzung bestehender quantitativer und qualitativer Datensätze

Grundlagenliteratur:
Diekmann, Andreas 2007: Empirische Sozialforschung. Grundlagen, Methoden, Anwendungen
Thome, Helmut 2007: Methoden der Sozialforschung. In Lehrbuch der Soziologie, hrsg. von Hans Joas, S. 39–71.

This seminar uses heritage as a lens through which to analyse connections between urban space, culture, power and society from an architectural, planning and sociological viewpoint. Urban heritage is seen here as a broad category, that includes the built environment such as ruins, remains of architecture or memorials, but also intangible elements, such as urban voids, customs or practices in public space.

 By reviewing and discussing academic literature (in English and German language) and analysing different international case studies, students will reflect on the topic of urban heritage from a multilevel governance perspective and explore a wide range of questions: What can be learnt from the flows of money and people in the tandem heritage-tourism? In which contexts does heritage become an object of conflict? To what extent heritage is marginalised, contested or destructed in such conflict situations? In which cases might heritage contribute to solidify group, ethnic, religious or cultural identities? Ultimately the seminar will reflect on the definition of what constitutes heritage –and what doesn’t—and who gains or loses because of such definitional politics.

The seminar opens spaces for discussion and reflection about who owns the past, for instance in post-colonial contexts and the geography of power in the making of heritage. Ultimately, we will examine if and how heritage is today a key social, political, cultural and economic concern.

The seminar will be conducted in English and German – fluency in English is not essential, however, a willingness to read and communicate in English is expected.

Suburbia, das ist nicht nur die klassische Vorstadt. Vielmehr muss hier differenziert werden zwischen Vorstadt und eingemeindetem Dorf, zwischen Einfamilienhausgebiet und Großwohnsiedlung, zwischen weniger dichten Neubauprojekten am Stadtrand und in der Innenstadt. So ist auch das gängige Bild Suburbias als homogener Ort der Familiengründung einer eher weißen und konservativ eingestellten Mittelschicht zu hinterfragen. Offen ist, wie sich die verschiedenen Ausprägungen von Suburbia unterscheiden - also auch, wie dort Gemeinschaft im Sinne der Nachbarschaft entsteht: handelt es sich immer um einen Gegenentwurf zur urbanen Anonymität, Unpersönlichkeit und Zweckgebundenheit?

Das Projekt nutzt diese Leerstellen und fragt nach den Formen suburbaner Nachbarschaft in Kassel: Welche Arten von Suburbanisierung lassen sich vor und in Kassel finden? Zeigen sich eher Unterschiede oder doch Ähnlichkeiten zwischen der Sozialstruktur und Gemeinschaftsbildung dieser suburbanen Quartiere? Welche Einflussfaktoren wirken hier maßgeblich? Und schließlich: Welche Konsequenzen hatten und haben solche Beobachtungen für Stadtplanung und Stadtforschung?

Die Teilnehmer*innen werden sich zur Beantwortung dieser Fragen zunächst gemeinsam die theoretischen Grundlagen, den Forschungsstand sowie methodische Zugänge erarbeiten. Daran anschließend steht die empirische Erkundung der Kasseler Suburbia im Mittelpunkt. In eigenständigen Forschungsarbeiten wird anhand sozialwissenschaftlicher Forschungsmethoden wie Beobachtungen, Kartierungen oder Interviews eine Bestandsaufnahme verschiedener Formen von suburbaner Nachbarschaft umgesetzt.