Kultur- und Kreativwirtschaft gelten nicht nur als wirtschaftliche Hoffnungsträger sondern auch als Impulsgeber einer nachhaltigen Stadt- und Regionalentwicklung. Meist wird die Entwicklung von Kultur- und Kreativwirtschaft aber nur im Rahmen von Großstädten erforscht und diskutiert. Weniger bekannt und erforscht ist hingegen, wie Kultur- und Kreativwirtschaft auch für kleinere und mittlere Städte und Regionen eine wirtschaftliche Entwicklungsperspektive bilden können. Am Beispiel der Kultur- und Kreativwirtschaft als einem Bereich der neuen wissensbasierten Ökonomien führt dieses Projektseminar in raumwirtschaftliche Logiken und Standortbedingungen dieser Branchen ein. In der wissenschaftlichen Diskussion werden immer wieder die sozialen Orts- und Raumqualitäten als wesentlich für diese Branchen beschrieben, deswegen werden sowohl soziologische als auch wirtschaftsgeographische Perspektiven erörtert. Das Projektseminar beschäftigt sich mit der Rolle von Kultur- und Kreativwirtschaft am Beispiel von Kassel und will verschiedene Fallstudien und stadtplanerische Interventionsmöglichkeiten erarbeiten. 

Lernziel(e)

  • Grundlegendes Verständnis der regionalökonomischen Bedeutung von Kultur- und Kreativwirtschaft und stadtplanerischer Steuerungsmöglichkeiten
  • Erfahrungen mit der Erstellung von sozialwissenschaftlichen Fallstudien zu unterschiedlichen stadtplanerischen Handlungsansätzen in der Förderung von Kultur- und Kreativwirtschaft
  • Erfahrung mit organisierter Teamarbeit
  • Konzeption einer Abschlusspräsentation (Rundgang, vorr. virtuell) und eines Endberichts (Reader), der die wichtigsten Ergebnisse zusammenfasst

 Lehrkonzeption

  • Onlineseminar mit Videokonferenzen
  • Gruppenarbeit
  • Abschlusspräsentation (voraussichtlich online)
  • Endbericht (Reader) 

Bemerkung      

Die Vorbesprechung findet am Dienstag, 21.04.2020 von 14 – 15 Uhr online auf der WebExpPLattform statt. Die Zugangsdaten erhalten Sie per Email.


Circular City Kassel

Die Verstädterung schreitet voran. Damit verschärft sich die Problematik der Ressourcenknappheit. Die Stadt als Lebens- und Arbeitsraum erweist sich stets als Laboratorium für Transformation und Innovation: Der Ansatz der Circular City ist insofern als innovativ zu bezeichnen, weil Prinzipien der seit langem geforderten Kreislaufwirtschaft (circular economy) auf städtischer Ebene zur Anwendung kommen (sollen). Lokale Ressourcen werden wieder- und weiterverwendet. Das unterstützt eine ökonomische Widerstandfähigkeit, stärkt die Quartiersentwicklung und erhöht eine ökologische Nachhaltigkeit. Der Ansatz impliziert insofern ein städtisches System, das zur Wertschöpfung beiträgt und damit Arbeitsplätze schafft, das CO2-Emmissionen reduziert und Material einspart, damit Primärrohstoffe geschützt werden. Zu den gängigen Strategien gehören redesignrenovationrepairsharereuseremanufacturerecyclerecover.

Circular City verspricht also, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Es werden lokale zirkuläre Wirtschaftskreisläufe entwickelt und damit Arbeitsplätze geschaffen. Gleichzeitig wird das Klima geschützt durch CO2-Reduktion. Amsterdam und Peterborough in England sind Beispielstädte, die Circular City werden wollen. Für Stadtplanung und -entwicklung heißt das veränderte und neue Raum-, Flächen- und Gebäudenutzungen und Infrastrukturen. Die gebaute Umwelt und die Prozesse dahinter sind als closed loop system neu zu denken. 

Im Einführungsprojekt gehen wir zunächst den Fragen nach, was eine Circular City genauer kennzeichnet und kennzeichnen kann, welche Potentiale der Circular City-Ansatz für eine nachhaltige Stadtentwicklung birgt und welchen Hindernissen dieser Ansatz ausgesetzt ist. Inwiefern kann also eine noch ausstehende Circular City-Praxis beispielsweise bekannte und praktizierte Stadterneuerungsstrategien (Entwicklung von Konversionsflächen, Sanierung des Gebäudebestandes, flexible Nach- und Umnutzung von Leerstand) wirkungsvoll ergänzen? Für die Stadt Kassel identifizieren wir Handlungsräume, also closed loop systems der gebauten Umwelt, und arbeiten mittels einer SWOT-Analyse Charakteristika dieser Räume heraus. Auf dieser Grundlage erarbeiten wir eine Roadmap, die aufzeigen soll, wie Kassel zur Circular City entwickelt werden kann. Dabei definieren wir Ziele, identifizieren zirkulare Handlungsfelder und entwickeln Maßnahmen (strategische Stadtentwicklungsplanung). Wir entwickeln Szenarien, die zeigen werden, wie sich die gebaute Umwelt verändern kann, wenn in Kassel der Circular City-Ansatz verfolgt wird. Ein nicht unbedeutender Beitrag vor dem Hintergrund, dass Kassel politisch proklamiert, 2030 „klimaneutral“ sein zu wollen.

Stadt- und Regionalökonomie – Theorie, Politik, Praxis

Stadt- und Regionalentwicklung werden in starkem Maße von ökonomischen Kräften bestimmt: Investitionen, Wanderungsbewegungen von Arbeitskräften, politische Förderprogramme und lokale Weichenstellungen spielen offensichtlich eine Rolle für das Wohlergehen bzw. Schrumpfen von Städten, für Boden- und Immobilienpreise, für die Entwicklung von City und Rand usw. Aber auch der Wert von Freiräumen kann ökonomisch bestimmt werden.

Das Modul teilt sich in eine Vorlesung und ein Seminar. Die Vorlesung bietet einen Überblick über grundlegende Theorien der Stadt- und Regionalökonomie, Ziele und Instrumente lokaler und regionaler Wirtschaftspolitiken und der Praxis von Stadtentwicklung, Regionalmanagement und Wirtschaftsförderung. Das Seminar vertieft gezielt einzelne Themen, bietet Übungen und Diskussionen.

Bachelor-Arbeiten: Aus den Themenfeldern des Moduls (und darüber hinaus) können Bachelor-Arbeiten generiert werden.