Science Fiction sowie ihre dunkle Seite, die Dystopie, sind Gewächse der gesellschaftlichen Moderne. Als literarische Erfindungen künftiger Welten fußen sie auf der Grunderzählung der europäischen Aufklärung, die besagt, dass der wissenschaftliche und technische Fortschritt neue Entwicklungspotentiale der Gesellschaft und ihrer Individuen freilegt und befördert. Romane begegnen je nach Genre dieser Zukunftsperspektive mit Faszination oder mit Skepsis. Aufschlussreich wird der literarische Blick auf die Zukunft, wenn er vom Standpunkt einer peripheren Moderne aus erfolgt. Dies kann für Science Fiction der hispanischen Literatur durchaus vorausgesetzt werden, weil sowohl Spanien als auch Lateinamerika hinsichtlich der europäischen Entwicklungsgeschichte des letzten Jahrhunderts eine Randstellung innehatten. Anhand dreier Romane soll dieser Blickwinkel vom Rand der Moderne aus rekonstruiert werden. In ihnen begegnen wir Zeitmaschinen, virtuellen Realitäten sowie postapokalyptischen Sozialgemälden: Enrique Gaspar y Rimbau, El anacronópete (1887, Ausgabe: Wentworth Press 2018), Adolfo Bioy Casares, La invención de Morel (1940, Ausgabe: De Bolsillo 2012), Rafael Pinedo, Plop (2002, Ausgabe: Interzona 2017).

Erwartet werden der frühzeitige Erwerb und die vollständige Lektüre der Romane sowie die Bereitschaft, sich regelmäßig am wissenschaftlichen Gespräch im Seminarplenum zu beteiligen. Die verschiedenen Möglichkeiten zur Absolvierung der Studienleistung werden in der ersten Sitzung thematisiert. Abgeschlossen wird die Veranstaltung durch die Abfassung einer wissenschaftlichen Hausarbeit.


Die Themen der sozialen Ungleichheit und des gesellschaftlichen Prekariats sind in der lateinamerikanischen Erzählliteratur äußerst präsent. Dies überrascht kaum, weil neben dem Afrika der Subsahara Lateinamerika die höchsten Werte von Indikatoren aufweist, die auf Armut und soziale Ungleichheit hindeuten. Erzählliteratur ist jedoch weniger in statistischer Hinsicht geeignet, Erkenntnisse über gesellschaftliche Schieflagen zu erschließen oder zu vermitteln, sie widmet sich vielmehr dem Erleben des Sozialen durch die Perspektive von Figuren. Mit dieser Themenvorgabe soll ein Kurzroman des chilenischen Schriftstellers Roberto Bolaño gelesen und analysiert werden, der zwar in Rom spielt, allerdings zur Bearbeitung der erwähnten Thematik mehr als geeignet und zudem sehr unterhaltsam ist: Una novelita lumpen (De Bolsillo 2017).

Erwartet werden der frühzeitige Erwerb und die vollständige Lektüre des Romans sowie die Bereitschaft, sich am wissenschaftlichen Gespräch im Seminarplenum zu beteiligen. Die verschiedenen Möglichkeiten zur Absolvierung der Studienleistung werden in der ersten Sitzung thematisiert. Abgeschlossen wird die Veranstaltung durch die Abfassung einer wissenschaftlichen Hausarbeit.


Die Chroniken zur Entdeckung, Eroberung und Kolonialisierung der Neuen Welt durch die Spanier sind von unschätz­barem kulturhistorischem Wert. Sie bieten Anhaltspunkte für die frühneuzeitlichen Wahrneh­mungs­muster des Neuen, bislang Unbekannten. Damit sind sie gleichsam prädestiniert für die Erforschung frü­her Alteritätsverarbeitung und Interkulturalität. Gleichsam geben sie wichtige Hinweise für künftige kollektive Identitätsentwürfe sowohl innerhalb Spaniens als auch in Lateinamerika. Im Sinne dieser Fragestellungen sollen in der geplanten Vorlesung wichtige Quellentexte jener Epoche vorgestellt werden: Das Schiffstagebuch von Christoph Kolumbus, die Briefe des Mexiko-Eroberers Hernán Cortés oder die ethnologischen Beschreibungen Bernadino de Sahagúns, um nur die bekanntesten aufzuführen.

Die Veranstaltung ist für Studierende des Italikums geöffnet. Sie wird abgeschlossen mit einer Klausur.


Warum sollte man sich als angehender Hispanist mit spanischer oder lateinamerikanischer Literatur beschäftigen? Eine Antwort mag lauten: Weil literarische Werke, d.h. Erzählungen, Romane und Theaterstücke zentraler Bestandteil des kollektiven Gedächtnisses einer Gesellschaft oder einer Kultur darstellen und weil durch die Beschäftigung mit diesen Texten die jeweilige Gesellschaft sich über ihre Selbstbilder verständigt. Gerade die spanische Lite­raturgeschichte dürfte bekannt dafür sein, dass sie schon frühzeitig Figuren hervor­gebracht hat, die auch für spätere Identitätsreflexionen ganz zentral geworden sind: so Don Quijote von La Mancha, der durch exzessive Lektüre von Ritterromanen verrückt wird und sich in der Folge selbst für einen Ritter hält; oder Don Juan, der gewissenlose Schürzenjäger; nicht zuletzt der in Armut geborene kleine Lázaro von Tormes, der mit bescheidenen Mitteln gegen die Autorität seiner jeweiligen Herren rebelliert.

Der Einführungskurs vermittelt die Grundlagen für eine in diesem Sinne durch die Kulturwissenschaft aufgeklärte Literaturbetrachtung. Darüber hinaus sollen Grundbegriffe der literarischen Textanalyse sowie ein Überblick der kultur- und literaturgeschichtlichen Epochen thematisiert werden. Abgeschlossen wird der Kurs mit einer Klausur. Zur Anschaffung wird empfohlen:        

Lazarillo de Tormes, Klein Lazarus vom Tormes, Span/Dt. Hrsg. von Hartmut Köhler, Stuttgart 2007: Reclam.