Das Kolloquium des Fachgebiets Stadt- und Regionalsoziologie zur Präsentation und Besprechung von Abschluss und Forschungsarbeiten.

Empirische Methoden der Sozialforschung sind ein zentraler Bestandteil von Planungsprozessen, die die Bedürfnisse der Menschen tangieren. Für verschiedene Fragestellungen bieten sich unterschiedliche Methoden der Erhebung und Analyse an. Diese und der Umgang mit ihnen soll in diesem Seminar mit und von den Studierenden erprobt werden.

Lernziel ist es die Datenstruktur von städtischen und wissenschaftlichen Datensätzen zu verstehen sowie grundlegende statistische Analysemethoden mit dem Statistikprogramm SPSS durchführen zu können. Weiterhin sollen die Studierenden lernen verschiedene qualitative Interviewformen anzuwenden und auszuwerten, sowie einen Überblick über diverse andere qualitative Erhebungs- und Auswertungsmethoden zu erhalten. Abschließend soll die Kompetenz vermittelt werden, dass dem Untersuchungsgegenstand angemessene empirische Werkzeug auszuwählen und eventuell zu kombinieren.

Politische Partizipation in der Stadtplanung

 

Partizipation der Bürger*innen an Entscheidungsprozessen ist relevantes Thema in der Stadtplanung. Bürgerbeteiligung kann für Planer*innen relevante Anregungen geben, aber auch zu gewaltigen Störungen des Planungsprozesses führen und  letztlich in fruchtloser Zeitvergeudung beiderseits enden.

 

In diesem Seminar soll ein Überblick über die für die Problematik relevanten Prozesse und Begriffe geschaffen werden und so Planer*innen die Fähigkeit gegeben werden sich kompetent mit dem Phänomen der Bürgerbeteiligung  auseinandersetzen zu können und dies in ihre praktischen Planungsentscheidungen einfließen zu lassen.

 

Lernziel ist ein Verständnis über die Heterogenität der Bevölkerungsgruppen und ihrer unterschiedlichen Fähigkeiten und Möglichkeiten zur Partizipation in Stadtplanungsentscheidungen zu erlangen. Im Fokus liegen hier z.B. die Merkmale von Personen, die mit hoher oder niedriger Partizipation einhergehen und diese erklären oder gar bedingen können. Die Verschiedenartigkeit der Bevölkerungsgruppen führt zum einen zu unterschiedlichen Fähigkeiten zur Partizipation, zum anderen jedoch auch zu deutlich unterschiedlich gelagerten Interessen und so unterschiedlicher Partizipationswilligkeit.

 

Das Ziel allen WillensträgerInnen gerecht zu werden, die ihren Willen nicht partizipativ formulieren können oder es nicht wollen, sollte von PlanerInnen angestrebt werden. Gleichzeitig richtet sich der Blick auf Fragen nach dem Verhältnis zwischen Bevölkerung und PlanerInnen und in welchem hierarchischen Verhältnisse die jeweiligen Ansprüche zueinander stehen.

 

Im Zentrum des Seminars stehen also zum einen die Möglichleiten und Fähigkeiten der Bevölkerung sich an Entscheidungsprozessen zu beteiligen und die Bedingungen, die bestehen müssen, damit diese dazu in der Lage sind. Zum anderen liegt die Beziehung zwischen Partizipation der Bürger und den Absichten der Planung und wie diese effizient gestaltet sein und ob dies normativen Ansprüchen gerecht werden muss, im Fokus.

 

Dieses Spannungsverhältnis wird im Seminar zwischen dem Begriff der Partizipation und dem Begriff der Anomie (z.B. nach Merton 1968) erläutert.

Der Ablauf des Seminars ist im Wesentlichen so konzipier:

Die Studierenden werden gebeten für die entsprechenden Sitzungen Grundlagentexte zu lesen und für einzelne Sitzungen Referate anzufertigen. Die Inhalte der Texte und der Referate werden dann gemeinsam im Seminar diskutiert um sich so ein ganzheitliches Bild über die Begriffe, deren Inhalte und deren Anwendungen erarbeiten zu können, sowie eigene Überlegungen und Gedanken dazu beizutragen.

 

1968: Sozialstruktur und Anomie. In: F. Sack, R. König (Hrsg.): Kriminalsoziologie. Frankfurt am Main, S. 283–313.

1995:Voice and Equality. Civic Voluntarism in American Politics. Verba, S., Schlozman, K. L., & Brady, H: Cambridge, Massachusetts: Harvard University Press. ()..


Nach dem Soziologen Norbert Elias verdanken sich viele Errungenschaften der „Zivilisation” wie bestimmte Sitten oder Wohnformen den gesellschaftlichen Oberschichten, die im Verlauf der Geschichte von einem exklusivem Gut zu einem für breite Bevölkerungsschichten werden. Stimmt diese Behauptung, ist es erstaunlich, wie wenig Beachtung die Soziologie bisher dem Wohnen und Lebensstilen von Oberschichten schenkt. Aktuell werden solche Wohn- und Lebensformen im Zusammenhang mit der Debatte um sogenannte „Super-Reiche” ansatzsweise wieder zum Thema. Vor diesem Hintergrund beschäftigt sich das Seminar mit Wohnformen und Lebensstile von Oberschichten und Eliten in der Gegenwart.

 

Um aktuelle Wohnformen einzuordnen wie beispielsweise Turmbauten und Penthäuser, sollen auch geschichtlich ausgewählte Epochen betrachtet werden, in denen prägende Wohntypologien wie der Hof im Absolutismus oder die bürgerliche Stadtvilla entstehen. Außerdem wird ein Blick auf die Debatte der sogenannten Finanzialisierung des Wohnungsmarktes geworfen, bei der die Behauptung im Raum steht, dass es vor allem eine neue Schicht von „Super-Reichen” sei, die mittels internationaler Immobilienspekulation zu immer mehr Reichtum kommt und die Immobilienpreise nach oben schraubt. Neue Konflikte insbesondere in Städten und bestimmten Stadtteilen seien damit vorprogrammiert. Kombiniert wird das Seminar mit einem viertätigen Workshop vom 9. bis zum 12. September zum Thema „Konflikte und Gewalt in Städten”. Darin werden aktuelle Konflikte sowie Konfliktpotentiale in Städten und deren methodische Erforschung beleuchtet.

Vorlesung Empirische Methoden der Sozialforschung

Die Stadt als Schmelztiegel der Vielfalt ist ein geläufiges Bild in Stadtplanung und Stadtforschung. Mit ihrer Verdichtung einer heterogenen Bewohnerschaft gilt die Stadt als ein Ort, in dem gerade auch Unkonventionelles entstehen kann. Subkulturen sind ein Ausdruck dieses Unkonventionellen. Ansätze wie die Subcultural Theory of Urbanism machen das Spezifische der Stadt daher am Vorhandensein von Subkulturen fest. Ungeklärt ist, wie sich hierbei suburbane Räume von urbanen Räumen unterscheiden. Und auch die Definitionen von Subkulturen bleiben oft vage und uneinheitlich: sie reichen von organisierter Kriminalität über unfreiwillige Abgrenzung oder freiwilligen Widerstand bis hin zur Formierung queerer oder feministischer Gruppen.

Das Projekt nutzt diese Leerstellen und fragt nach der Gestalt der Subkulturen Kassels: welche Subkulturen lassen sich in urbanen und suburbanen Räumen finden? Zeigen sich eher Unterschiede oder doch Angleichungen zwischen diesen Räumen? Welche Ausdrucksformen suchen oder vermeiden Subkulturen? Und schließlich: welche Konsequenzen hatten und haben solche Beobachtungen für Stadtplanung und Stadtforschung?

Die Teilnehmer*innen werden sich zur Beantwortung dieser Fragen zunächst gemeinsam die theoretischen Grundlagen, den Forschungsstand sowie methodische Zugänge erarbeiten. Daran anschließend steht die empirische Erkundung Kasseler Subkulturen im Mittelpunkt. In eigenständigen Forschungsarbeiten wird anhand sozialwissenschaftlicher Forschungsmethoden wie Beobachtungen, Kartierungen oder Interviews eine zeitgenössische Infragestellung der Subkulturen als ausschließlich urbanes Phänomen umgesetzt.