Das angebotene Kompaktseminar soll den Studierenden die Möglichkeit bieten, Methoden und Forschungsperspektiven der interaktionistischen und ethnographischen Stadtsoziologie (Chicagoer School, Simmel, Goffman, Burckhardt etc.) sowohl theoretisch erarbeiten und diskutieren zu können, als auch die so gewonnenen Erkenntnisse in selbst durchgeführten Stadterkundungen anzuwenden. Sowohl jenseits von sozialphilosophischen Auseinandersetzungen mit den Lebenswelten spezifischer sozialer Lagen und Lebensformen, als auch quantitativer Kenndaten und feldferner qualitativer Interviews, soll der Schwerpunkt auf das Selbst-im-Feld-Sein gelegt, das Ablegen von Vorannahmen über den Ist- und Sollzustand des Feldes hinter sich gelassen, und der Fokus auf den Blick hinter den Schleier gerichtet werden.

„Ein Sensorium für die Stadtkultur zu entwickeln heißt, hinter den Vorhang vorgefasster Meinungen wie öffentlicher Kulissen und privater Fassaden zu blicken.“ (Lindner 2004: 116)

Ganz konkret sollen „geteilte“ Orte und deren Akteure, im Sinne des gemeinsamen Nutzens von Raum und Artefakten, ausfindig gemacht und dem Feld angemessen kontextualisiert werden. Gleichzeitig sollen die Teilnehmer*innen versuchen, Hinweise auf Praktiken der Abgrenzung und Öffnung dieser Gruppen und Räume zu erfassen.

Kurz: Das Entdecken von Akteuren, Orten und Artefakten gemeinsamer Nutzung des öffentlichen Raumes.

Von besonderem Interesse sind Erkenntnisse darüber ob diese Räume homogen oder heterogen geteilt genutzt werden und auf was sich diese Homogenitäten oder Heterogenitäten der Akteure und Orte beziehen.

Als Untersuchungsgegenstand soll der in stark unterschiedliche Nachbarschaften fragmentierte Stadtteil „Nordholland“ ausgewählt werden, da dieser zum einen eine hohe Heterogenität der Bewohner*innen aufweist, zum anderen eine hohe Heterogenität der Lebensbedingungen (abhängig von der Lage innerhalb Nordhollands).

 

Ich bitte alle Teilnehmer sich vorher per E-Mail bei mir anzumelden.

 

Die Vorbesprechung des Seminars findet am 01.11.2018 von 11:30 – 12:00 Uhr im Torhaus A, R 2104 statt.

 

Quellen

Lindner, Rolf. 2004. Walks on the wild Side. Frankfurt am Main u.a.: Campus.


Projektseminar des FG Stadt und Regionalsoziologie im WiSe 2018/2019

Studierende erforschen die Verteilung von Milieus der Mittelschicht zwischen Suburbia und Innenstadt am Beispiel Kassel

In diesem Seminar wollen wir anhand theoretischer Texte und empirischer Studien dem Zusammenhang zwischen Lebensstilen, Wohnpräferenzen und städtischen Wandlungsprozessen, wie Trends der Gentrifizierung und Reurbanisierung, nachgehen. In einem kurzen Einleitungsteil widmen wir uns zunächst soziologischen Grundbegriffen zur Einteilung von Gesellschaft in sozioökonomische Gruppen, wie Klasse, Schicht und Milieu. Die finanziellen Ressourcen dieser Gruppen sind ein entscheidender Faktor für die Wohnstandortwahl und wo auf dem städtischen Wohnungsmarkt gesucht und gefunden wird.

Weniger empirisch untersucht und theoretisch beleuchtet ist jedoch die Rolle von Lebensstilen für die Verteilung der Bevölkerung in der Stadt. Lebensstile sind geprägt durch soziale Lebenslagen, verbinden diese aber mit Werten, Einstellungen und Geschmack. Folgende Fragen sollen in diesem Teil im Fokus stehen: Welche Lebensstile verlangen nach welchem Wohnumfeld? Gibt es für jeden Geschmack die passende kleine Welt in der Stadt? Welche Konflikte zwischen verschiedenen Milieus entstehen möglicherweise?

Im dritten Teil des Seminars beschäftigen wir uns dann mit städtischen Prozessen - wie Segregation, Gentrifizierung, Sub- und Reurbanisierung - die ausgelöst werden durch Umzugsbewegung gesellschaftlicher Schichten und Milieus. Inwiefern hängen die Konjunkturen dieser Prozesse mit einer sich verändernden Schichtung und dem Aufkommen neuer Lebensstile zusammen? Welche Möglichkeiten hat die Stadtplanung auf diese Prozesse einzugehen und sie in gewünschte Bahn zu lenken?