Das Museum, besonders das Kunstmuseum, erscheint zunehmend als Ort unterschiedlich ausgerichteter gesellschaftlicher, wissenschaftlicher und politischer Bestrebungen. Dem Raum wie dem Körper der Institution kommt unter dem Eindruck sozialer, ökonomischer und medialer Veränderungen gerade in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine große Aufmerksamkeit zu: Die eigentliche Aufgabe und Funktion des Museums stehen dabei immer wieder zur Disposition – unter anderem werden seine Repräsentationsstrategien und historisierende Narrative hinterfragt. Im Wandel der Bauaufgabe manifestieren sich somit nicht allein architektonische Ideen, unterschiedliche Vorstellungen zur Rolle des Museums für die Gegenwart und Zukunft werden entwickelt und besonders auf die Neubauten projiziert. Die Gestaltung des Museums unterliegt einer Vielzahl von Fragestellungen, die mitunter als antagonistische Kräfte in Erscheinung treten. Die Frage nach der Architektur wird somit häufig als Katalysator verschiedener gesellschaftlicher Diskurse wahrgenommen, wozu die Architektur wiederum eine Haltung und Antwort finden muss.

 

Ausgehend von Perspektiven der Kunst, Wissenschaft und Architektur wird sich das Seminar zunächst mit einer Reihe exemplarischer Verschiebungen und für diese paradigmatisch erscheinende Museumsbauten auseinandersetzen. Aufbauend auf der gemeinsamen Diskussion von Texten zum Museum werden wir anhand von kuratorischer und künstlerischer Produktionsformen die Kritik am Museum als Institution reflektieren, um so die baulichen Artefakte, die im Zentrum des Seminars stehen, über ihre technischen Mittel und formale Verfasstheit hinaus durchdringen zu können. Abschließend sollen anhand von realisierten Museumsbauten verschiedene architektonische Versuche nachvollzogen werden, die Herausforderungen an die bauliche Fassung von Museumsexponaten ‚richtig’ zu beantworten.