Kassel hat eine lange Tradition als Bildungsstandort. Seine Schulgebäude dokumentieren die Bildungs- und Baugeschichte ihrer jeweiligen Entstehungszeit. Heute stammt die Mehrzahl der Schulen im Stadtgebiet aus den Jahren des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg.

Im Fokus des Seminars stehen bauhistorisch relevante Kasseler Schulen aus sämtlichen Epochen der Architekturgeschichte. Uns interessiert die Planungsperspektive und die Bauzeit, aber auch der Prozess, den die historischen Schulen durchgemacht haben und noch durchmachen werden: Wie begegnen Kinder und Jugendliche diesen Architekturen im Laufe der Zeit, wie verändert sich der Gebrauch, wo sind gute bauzeitliche Ideen noch ablesbar und können weitergeschrieben werden? Welche städtebauliche Funktion übernimmt die Schule im Stadtquartier? Ziel des Seminars, das in Kooperation mit der Stadt und den Schulen vor Ort durchgeführt werden soll, ist die Broschüre KASSEL, DEINE SCHULEN, mit der die wichtigsten Bauten aus dem Stadtgebiet vorgestellt werden. Das studentische Publikationsprojekt macht Forschung öffentlich und richtet sich an Schüler, Eltern, Lehrer, interessierte Bürger und alle, die Schulen planen und verwalten.


Es wird Grundlagenwissen zur Geschichte der Stadt und der Kulturlandschaft in ihren jeweiligen planerischen und gestalterischen Ausprägungen vermittelt. Die Methode der historischen Analyse der Stadtplanung als eine „Geschichte der Zukunftsvorstellungen” und ein Wandel von Fortschrittsvorstellungen sowie eine Periodisierung leiten GdgU II ein. Die stadtplanerischen Entwicklungen werden von den ersten Siedlungen bis zum 19. Jahrhundert kursorisch dargestellt und mit dem besonderen Akzent der Auswirkungen klimatischer Wandlungen auf die Stadtentwicklung – seit der Neolithischen Revolution – versehen. Der Schwerpunkt liegt dann auf der Planungsgeschichte zu Stadt und Region im Industriezeitalter entlang der 1., 2. und 3. Industriellen Revolution sowie der Disziplinbildung zur Stadtplanung. Es werden die Typen der Stadtentwicklung und Planung im 19. Jahrhundert, d. h. Neugründung, Erweiterung und Umbau mit paradigmatischen Beispielen (Washington, Berlin, Barcelona, Paris) herausgearbeitet. Dann spielen die Leitbildwirkung großer Ausstellungen (EXPO, IBA) für die Stadtplanung eine markante Rolle. Um 1900 bildet sich die Disziplin Stadtplanung heraus, die im Kontext der Entstehung von drei Typen der Stadtkonzeption für die 2. Ind. Revolution gesehen wird: Gartenstadt, City Beautiful und Cite‘ Industrielle. Der Wechsel von grundlegenden Vorstellungen für die Stadt im 20. Jahrhundert wird entlang der entstehenden Landesplanung und dem Konzept der Dezentralisierung verfolgt. Ein Augenmerk wird auf die Planung von Siedlungen als besonderem Markenzeichen der 1920er Jahre gelegt, wobei Wien und Berlin eine wichtige Rolle einnehmen. Dem Bauhaus wird aus stadtplanerischer und institutionsgeschichtlicher Sicht ein herausragender Stellenwert eingeräumt, als prototypische Geschichte für das 20. Jahrhundert (Längsschnitt) im Spiegel der Demokratie. Die Zeit der Diktaturen im 20. Jahrhundert wird – neben Bezügen auf Italien und die Sowjetunion – vor allem anhand von Deutschland behandelt. Dabei gewinnt die Raumordnung einen besonderen Stellenwert. Die Nachkriegsplanungen für den Wiederaufbau und die unterschiedlichen Umbaukonzepte sowie die Suburbanisierung werden international vergleichend dargestellt, wobei herausragende Beispiele eine besondere Erwähnung finden: Warschau, Berlin, Rotterdam, London und suburban sprawl (USA). Diese Entwicklung endet mit der IBA Emscher Park, die damit den Bogen von EXPO (Chicago 1893) bzw. IBA (Leipzig 1913) zur Planung für die Transformation altindustrieller Regionen schlägt. Abschließend werden die Planungen für die neuen Hauptstädte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts als Modelle eines Fortschrittsverständnisses erörtert, das heute kritisch reflektiert wird: Chandigarh, Brasilia, Abuja. Insgesamt wird zusammenfassend die Planungsgeschichte der vergangenen 10.000 Jahre im Lichte der Einflüsse des Klimawandels behandelt – dazu werden ggf. filmische Medien eingesetzt.

 

Prüfungsleistung: mündliche Prüfung

 

Literatur wird im Rahmen der Vorlesung epochenbezogen vorgestellt.

 

 

Vorlesung im Wintersemester - Geschichte der gebauten Umwelt

 

Die Vorlesung vermittelt Architekturgeschichte als Teil einer übergeordneten Geschichte der gebauten Umwelt, in der Bau-, Stadt- und Landschaftsplanung ineinandergreifen. Gelehrt wird eine Architekturgeschichte, die bei aller Historizität immer wieder auf ihren Aktualitätsbezug untersucht wird. Dabei lernen wir den Wandel ästhetischer Erscheinungsformen kennen und bekommen einen Überblick über die Entwicklung unterschiedlicher Bautypen. Es geht nicht um das Narrativ einer Stil- oder Typengeschichte, vielmehr werden religiöse, politische, kulturelle, technische und wirtschaftliche Bedingungen von Raum, Architektur und Stadt aufgezeigt. Die Geschichte der gebauten Umwelt unterliegt Gesetzmäßigkeiten und Regeln, die die Nutzer, die Auftraggeber und die Architekten ihr geben. Was wir wollen, ist diese Handlungsmodalitäten in ihrer gegenseitigen Bedingung und wechselnden Bedeutung zu verstehen.

 

Aufgebaut ist die Vorlesung in einer chronologischen Abfolge, die ein Grundlagenwissen über das Bauen von der Antike bis in die Gegenwart aufbaut und die Studierenden mit den Grundbegriffen der Architektur vertraut macht. Baupraxis und Architekturtheorie werden in ihrer gegenseitigen Beeinflussung dargestellt. Ziel ist, die gebaute Umwelt jedweder Epoche in ihrer Kontextualität zu begreifen, Handlungsmuster und Akteure beschreiben zu können und eine Sensibilität für die Berufsgeschichte des Architekten zu entwickeln.

 

Beginn: 25. Oktober 2018

Studienleistung: schriftlicher Bericht, mündliche Prüfung