Das Kolloquium soll Studierenden die Möglichkeit geben, eigene Abschlussarbeiten vorzustellen und/ oder einen Einblick in Prozesse des wissenschaftlichen Arbeitens zu gewinnen (u.a. anhand der Diskussion von Texten). Es ist offen für Bachelor, Master und Promovierende, vorausgesetzt wird das Interesse am wissenschaftlichen Arbeiten, dem diskursiven Austausch sowie der Reflexion von Forschungsarbeiten hinsichtlich ihrer stadt- und regionalsoziologischen Relevanz.


Wohnen am Stadtrand hat unterschiedliche Gesichter. Das städtebauliche Erscheinungsbild reicht von Villenkolonien und Einfamilienhäusern über neue „urbane“ Siedlungsprojekte bis hin zu verdichteten Hochhaussiedlungen aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Doch nicht nur baulich, sondern auch sozial ist der suburbane Raum vielfältig und durch die „Renaissance der Städte“ zudem in Bewegung geraten. Zwar wurde das Wohnideal des Einfamilienhauses zu keiner Zeit in Frage gestellt, doch die neue Popularität der Innenstädte hat dazu geführt, dass bestimmte soziale Gruppen dem Stadtrand den Rücken kehren. Andere Haushalte sind durch die gestiegenen Wohnkosten in der Stadt dazu angehalten, sich nach Alternativen in Suburbia umzuschauen. Wer zieht also heute nach Suburbia? Wen reizt das Modell des Stadtrandwohnens im Grünen, wenn es nicht mittlerweile die finanziellen Gründe sind?

 

In dem Projekt gehen wir der Frage nach, wie sich die BewohnerInnen des suburbanen Raums sozial charakterisieren lassen, welche typischen Bewohnergruppen es gibt, und welche Veränderungen sich abzeichnen. Theoretisch beziehen wir uns dabei auf das Konzept sozialer Milieus, das in der Stadt- und Regionalplanung sowie der empirischen Raumforschung eine wichtige Rolle einnimmt. Nach einer Einführung in das Thema ist vorgesehen, Sekundäranalysen von quantitativen empirischen Daten mittels des Statistikprogramms SPSS durchzuführen und durch GIS geografisch zu veranschaulichen. Methodenkenntnisse (inklusive Auswertungstools mittels SPSS) werden im Rahmen des Projekts ebenso vermittelt wie Grundlagen für eine zielgruppenspezifische Planung. Zur Teilnahme am Projekt sind neben Master-Studierenden auch fortgeschrittene BA-Studierende (ab 3. Semester) eingeladen.

 

Einstiegsliteratur

BBSR (Hg.) 2016: Im Schatten der Reurbanisierung? Suburbias Zukünfte. Informationen zur Raumentwicklung. Heft 3

Kiesler, M. und C. Keller 2019: Die Sozialstruktur Suburbias zwischen Homogenität und Heterogenität. Raumplanung, 204 (6), S. 55-61

Ein dominanter Trend der Stadtentwicklung war im 20. Jahrhundert die Suburbanisierung, bei der insbesondere Familien mit gesichertem und gehobenem Einkommen an den Stadtrand ins Grüne zogen. Die Entwicklung der Innenstädte bot vor diesem Hintergrund immer wieder Anlass zu Krisenszenarien, denen auch konzertierte Programme zur Attraktivitätssteigerung nicht beizukommen schienen. Umso überraschender kam es vor knapp zwei Jahrzehnten zur Trendwende einer "Reurbanisierung" bzw. "Renaissance" der Städte.

In dem Seminar soll es darum gehen, diesen Trendwandel nachzuzeichnen und zu fragen, welche Hintergründe sich dafür ausmachen lassen. Gibt es bestimmte soziale Gruppen, wie z.B. Auszubildende oder junge Mittelschichtsfamilien, die man als zentrale Träger dieses Trends identifizieren kann? In einem zweiten Schritt sollen die Aktualität von Reurbanisierung und deren Folgen beleuchtet werden. Einiges deutet darauf hin, dass die Reurbanisierung in vielen Städten wieder in den Schatten einer Suburbanisierung tritt, wozu die gestiegenen innerstädtischen Immobilienpreise beigetragen haben könnten. Worauf müssen sich die Städte und die Planung einstellen? Im Seminar werden zu diesen Fragen sowohl theoretische wie empirische Studien erarbeitet. Vorgesehen ist außerdem, dass in Gruppenarbeiten Recherchen zu ausgewählten Städten durchgeführt werden.


Drawing on selected readings and different media sources, this seminar introduces students to core writings in the field of urban sociology and explores the creative, and sometimes conflicting, interaction between sociology and urban planning. The seminar addresses the emergence of the urban phenomenon and the evolution of the urban sociological imagination over the years.

This serves as background for the discussion of current themes in urban research (e.g. the housing question, segregation, gentrification). The seminar offers students the chance to engage with the ideas of a wide range of authors: from classics such as Karl Marx, Max Weber, and Emile Durkheim, to Georg Simmel, Robert Park, and Henri Lefebvre, among others. Acknowledging though that Western Eurocentric male perspectives of urban theory have often been the dominant and hegemonic streams of knowledge production in urban studies, the seminar also offers the possibility to engage with literature from – and about – different cultural and geographical contexts (e.g. Ananya Roy, Walter Mignolo, and Anibal Quijano). By examining some of the key theoretical paradigms that have constituted urban sociology since its institution, the students can reflect on how and why they have changed over time, and discuss the implications of these shifts for urban research and planning practice.

The seminar will be conducted in English and German – fluency in English is not essential, however, a willingness to read and communicate in English is expected.