Im Seminar wird die Christologie „Gottes Offenbarung“ des Heidelberger Systematischen Theologen Michael Welker gelesen. Er stellt sich darin der Aufgabe, die zentrale Aussage evangelischer Theologie, dass Gott sich in Christus offenbart habe, exegetisch, systematisch-theologisch und philosophisch zu entfalten. Er schreibt: „Es ist die Aufgabe einer Christologie, deutlich zu machen, dass in der Verkündigung und in dem Bekenntnis ‚Gott hat sich in Jesus Christus geoffenbart!’ tatsächlich eine verlässli­che Erkenntnis des Glaubens vorliegt.“ Um dieser Aufgabe nach verlässlicher Erkenntnis nachzugehen, bearbeitet er fünf zentrale Problemfelder: 1. Die Frage(n) nach dem historischen Jesus 2. Die Frage nach der Wirklichkeit der Auferstehung 3. Kreuzestheologische Implikationen 4. Die Wirklichkeit und die Wirksamkeit des Geistes Gottes 5. Eschatologische Fragestellungen (präsentische, futurische und ewige Es­chatologie) Die Stärken von Welkers Ansatz liegen darin, dass er die Christologie in Bezug zu den anderen großen Feldern der Theologie setzt. Er arbeitet exegetisch am Alten und Neuen Testament und bespricht und diskutiert andere christologische Entwürfe (Luther, Hegel, Tillich, Jüngel, Moltmann u.a.), so dass sich für die Studierenden ein weites Feld christologischer Ansätze erschließt. Welker ist einer der wenigen Theologen, der gezielt auch die theologischen Ent­wicklungen außer­halb Kontinentaleuropas aufnimmt und z. B. die theologischen Programme aus den USA berücksich­tigt.

Sie ist eine aufregende Gabe und manchmal eine schwere Last, sie ist die Form intimster Nähe und manchmal ein Mittel grausamster Gewalt: Die Rede ist von der Sexualität des Menschen.

Bis zur so genannten „sexuellen Revolution” in den 60-iger und 70-iger Jahren des vergangenen Jahrhunderts war Sexualität nicht nur in kirchlichen Kreisen streng auf die Ehe bezogen. Für verschiedene kirchliche Milieus gilt das auch heute noch. Moderne Formen der Empfängnisverhütung und die damit erfolgte Entkoppelung von Sexualität und Fortpflanzung sowie von Sexualität und (verbindlicher) Beziehung, die gesellschaftliche Akzeptanz von Scheidungen und gleichgeschlechtlichen Partnerschaften haben die kirchliche und öffentliche Wahrnehmung und Beurteilung von Sexualität verändert. Diese Veränderungen zu diskutieren und zu einer evangelisch verantworteten sexualethischen Bildung vorzudringen, die in Kirche und Schule weithin fehlt, ist Ziel des Seminars. Folgende Aspekte sollen dabei zur Sprache kommen: Sexualität in der biblischen Tradition, sozialwissenschaftliche Perspektiven, Sexualität im Lebenslauf sowie kirchliche und religionspädagogische Handlungsmöglichkeiten.


Dietrich Bonhoeffer gehört zu den bedeutendsten Theologen des 20. Jahrhunderts. Am 9. April 2020 wird seines 75. Todestages gedacht. Sein Denken, besonders seine Briefe aus der Haft, veröffentlicht unter dem Titel „Widerstand und Ergebung“, hat die christliche Theologie auf der ganzen Welt geprägt. Er gehörte zu den entschiedenen Gegnern des NS-Regimes und schließt sich dem politischen Widerstand an. Am 5. April 1943 wird er verhaftet und am 9. April 1945 im KZ Flossenbürg ermordet. Theologie und Biografie Bonhoeffers sind unlösbar miteinander verbunden. Deshalb ist die Lektüre einer Biografie vor Seminarbeginn unerlässlich und Bedingung der Teilnahme. Wir lesen ausgewählte Texte aus verschiedenen Epochen seines Denkens und Wirkens.