Als Teilprojekt des hessischen Projektes Hefdi - Forschungsdatenmanagement bieten wir neben dem Kasseler Praxisworkshop auch die hessenweite Selbstlerneinheit an!

Durch den Webstuhl hindurch laufen mächtige Geschichten:
die Geschichte des Programmierens (die
Mathematikerin Ada Lovelace veröffentlicht den ersten
Algorithmus, der von dieser analytischen Maschine
ausgeführt werden soll), die Geschichte der industriellen
Revolution und damit auch die Organisation der
Arbeiter*innenschaft, und generell, in Mythen/Philosophien
der westlichen Welt, ist Weben (und Spinnen)
eine Metapher der Welterzeugung. In diesem Workshop
soll es um einen Austausch mit und die praktische Arbeit
in der Textilwerkstatt gehen. Darin gehen wir den
Ursprüngen der Programmierung in der Steuerung von
Webstühlen nach. Das Weben nach mehr oder weniger
offensichtlichen Kommandos und Vorgaben, vom Code
zur Geheimbotschaft soll dabei in Texten und Textilien
erarbeitet werden.

In vergangenem Semester stellten wir in der Veranstaltung "Weaving Landscape" Gewebemuster her, die wir im Hinblick auf architektonische Anwendungen so gestalteten, dass sie z.B. Stabilität, Modularität, Licht- und Schalldurchlässigkeit, Dreidimensionalität erzeugten.
Im kommenden Semester möchten wir diese Studien fortführen, uns an das funktionale und ästhetische Potential des Webens annähern und das Potential des Webens als Handwerk unter Einbeziehung der Themen regionale Rohstoffe, Kreislaufwirtschaft, Transportwege, Weiternutzung der Materialien neu beleuchten.
Die Fokussierung auf Materialien, die in Deutschland vorkommen, wachsen oder anfallen, ist vorgegebene Bedingung. Jeder Teilnehmende setzt sich – in Theorie und Praxis – intensiv mit einem Material auseinander.
Lernziel des Kurses ist es, die Webereitechnologie kennenzulernen, gezielt zu experimentieren und einen Fundus an Materialien - Grown in Germany - zu erarbeiten.

Die Kompakt-Veranstaltung „Textile Composites“ ist ein künstlerisch-experimenteller Workshop und die Fortsetzung einer im Wintersemester 2019 initiierten Fachdisziplin übergreifenden Kooperation zwischen dem Fachbereich Architektur, Stadtplanung, Landschaftsplanung und der Kunsthochschule Kassel. In interdisziplinären Teams aus Studierenden beider Fachbereiche erfolgt eine Annäherung an das ästhetische und funktionale Potential textiler Verbundstoffe aus Naturfasern. Im Workshop werden Materialien neu zusammengesetzt, verbunden und komponiert, um die Eigenschaften im Verbund zu analysieren und Anwendungen in Architektur, Landschaftsarchitektur und Produktdesign aufzuzeigen. Das Potential von Naturfaserkompositen im konstruktiv-technischen Bereich liegt in der Leichtigkeit und Materialeffizienz sowie in der extremen Verformbarkeit, die zum Beispiel mit Formholz nicht erreicht werden kann. Im ästhetischen Bereich ist die mögliche Transluzenz bei geringer Materialstärke eine Besonderheit der Komposite.

 

Bei den Naturfasern erfolgt die Begrenzung in Anlehnung an ein abgeschlossenes Projekt auf Fasern „Grown in Germany“. In dem Projekt, das unter demselben Titel als Publikation bei der Kassel University Press erscheint, wurden textile Flächen unter Anwendung der Webtechnologie erzeugt. Im Kurs „Textile Composites“ werden Kurzfasern aus Rohstoffen, die in Deutschland anfallen, abfallen, herstammen mit Bindern zu einem Komposit verbunden.

Verwendet werden unter anderem pflanzliche Harze und Leime, Lignin, ein Bestandteil von Holz, außerdem verschiedene Wachse, Alginat, Gelatine und Melasse (Zucker), als Fasermaterial Leder, Ginster, Hanf, Flachs außerdem Fichten- und Kiefermaterial, Brennesselfasern, Zellulose aus Fruchtabfällen, Altpapier, Triebwerk z.B. Algen und Seegras, Wolle.

 

Neben der Material- und Fertigungswahl werden Fragen der Kreislauffähigkeit von Produkten und der Wiederverwertbarkeit von Baustoffen thematisiert. 

Es werden Gastredner aus Industrie und Handwerk eingeladen, so dass ein kontinuierlicher Diskurs und Erfahrungsaustausch mit internen und externen Beteiligten stattfindet. 

Technologieseitig werden aus der Studienwerkstatt Textil Möglichkeiten aufgezeigt, Textilien miteinander zu verbinden durch z.B. Eigenhaftung, Kleben/Schweißen oder Fügen.

Als Starter-Kit werden den Studierenden Materialien zugesandt, eine Teilnahme aus dem Ausland ist daher nicht möglich.