Soziale Ungleichheit ist nicht nur ein Thema für die Politische Bildung, sie ist auch für Lehrende insbesondere an Haupt- und Realschulen, sowie Berufsschulen eine Herausforderung der politischen Bildung. In diesem Seminar soll in einem ersten Schritt der Frage nach den verschiedenen Definitionen von sozialer Ungleichheit nachgegangen werden. Auf dieser Basis soll sich den Herausforderungen genähert werden, die soziale Ungleichheit sowohl didaktisch als auch strukturell für den Politikunterricht bedeutet. Anschließend sollen Strategien analysiert und entwickelt werden, mit diesen Herausforderungen im Schulalltag umzugehen.

Die Kultusministeriumskonferenz (KMK) setzt in ihren Beschlüssen zur „Europabildung in der Schule“ (1978/1990/2008) das fächerübergreifende Ziel fest, dass die Schule zu einem „Bewusstsein europäischer Zusammengehörigkeit“ beitragen solle (S. 5).

Wie können Lehrende diesen Erwartungen der KMK fachdidaktisch gerecht werden und gleichzeitig den Beutelsbacher Konsens, der sich gegen Indoktrination, für Kontroversität und Schülerorientierung positioniert, respektieren? Viel zu oft wirken Europabildungsmaterialen als „Werbung für die EU“ oder als „Sakralisierung der EU“ (Himmelfall). Im Seminar werden wir uns intensiv mit der Frage beschäftigen, wie wir über das politische Europa, insbesondere die Europäischen Union, nicht bloß affirmativ-legitimierend, sondern auch kritisch-konstruktiv unterrichten können.

Die KMK bietet Hinweise für die Europabildung, wie zum Beispiel: „sich der Perspektive anderer zu öffnen“ (S.4). Das fachdidaktische Prinzip der Perspektivübernahme im Rahmen der politischen Europabildung wird daher im Seminar an zentraler Stelle aufgegriffen und die diesbezüglichen Fähigkeiten der Studierenden besonders gefördert. Im Beschluss ist weiter formuliert: „[Es geht] in der Fächergruppe der Politischen Bildung um die bestehenden und sich verändernden politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Abläufe und Ordnungssysteme, ihre Werte, Normen und Realitäten.“ (S. 8) Diese Formulierung öffnet Raum für die politische Gestaltung: Die Europäische Union ist kein fertiges, sondern ein sich veränderndes Ordnungssystem. Die Rolle der Bürger und besonders der Heranwachsenden als werdende (Voll-)Bürger in diesem Veränderungsprozess kann und sollte daher im Unterricht berücksichtigen werden (Schülerorientierung). Es geht didaktisch betrachtet nicht nur um „Es ist so!“ (Indoktrinationsgefahr), sondern auch um „Wie könnte es sein?“ und insbesondere „Wie wollen wir (politisch), dass es sich weiterentwickelt?“ (Kontroversitätsanregend).

Voraussetzung für ein gelingendes Seminar ist erfahrungsgemäß die physische Anwesenheit und aktive Mitarbeit (auch im virtuellen Raum) der Seminarteilnehmenden. Daher wäre es sehr wünschenswert, wenn Sie sich für dieses Seminar nur anmelden, wenn Sie die Bereitschaft dafür mitbringen, bei den wöchentlichen Zoom-Treffen präsent zu sein und sich mit Hilfe der seminarbezogenen Literatur für die jeweilige Sitzung auf die Diskussion vorbereiten. Intellektuelle Kontroversität wird erwartet und sollte „ertragen“ werden. Das Seminar ist somit besonders interaktiv!